OpidS Bericht 7

Position während der Schwangerschaft: Ärztin in Weiterbildung
Bekanntgabe der Schwangerschaft in der SSW: 14
strukturierte Vorgehensweise in der Klinik vorhanden?: Nein
wurde eine individuelle Gefährdungsbeurteilung erstellt?: Ja

Meine Bekanntgabe der zweiten Schwangerschaft erfolgte zu Beginn der Corona-Pandemie, sodass vom Betriebsarzt eine aktualisierte Gefährdungsbeurteilung mit Ausschluss jeglichen Patientenkontaktes erstellt worden war. Zu dem Zeitpunkt wurde aufgrund der vorliegenden Daten davon ausgegangen, dass Schwangere nicht besonders schwer von Covid betroffen sind, sodass ich überhaupt kein Verständnis für die ausgeprägten Einschränkungen hatte. Es bedeutete ja, dass ich in meinem aktuellen Arbeitsumfeld (Station, OP, Ambulanz) keinerlei Arbeiten mehr durchführen konnte.
Ich hielt also Rücksprache mit der Betriebsärztin, welche mir deutlich machte, dass sie mir keine anderweitige Empfehlung aussprechen könnten, diese jedoch rechtlich überhaupt nicht bindend sei und das Nichteinhalten dieser weder für mich noch für meine ärztliche Leitung Konsequenzen haben würde.
Aufgrund dessen habe ich die Gefährdungsbeurteilung mit meinem ltd. OA so ausgefüllt, wie es für mich und meine Wünsche gepasst hat, also vor allem Weiterführung der Arbeiten mit Patientenkontakt, da wir ÄiW unsere potenziellen OPs über die Sprechstunde akquirieren und ich sonst keine Chance gehabt hätte, OPs abzubekommen. Im OP waren ja eh bereits alle Patienten/-innen auf Covid getestet. Des Weiteren erhielten zu diesem Zeitpunkt alle unsere elektiven Eingriffe einen Hepatitis-/HIV-Test präoperativ.
Wir hielten im Freitext der Gefährdungsbeurteilung fest, dass ich dies auf eigene Verantwortung tue. Mein ltd. OA hatte ein wenig Sorge, dass ihm mit diesem Freifahrtschein für mich trotzdem irgendwelche rechtlichen Konsequenzen drohen könnten, aber er war einverstanden.
Anschließend ging die Gefährdungsbeurteilung zur Personalabteilung und ich habe nie irgendeine Rückmeldung erhalten, dass dies nicht rechtens sei o.ä.
Bis zum Beginn meines Mutterschutzes habe ich demnach ganz normal weiter gearbeitet (natürlich ohne Dienstre) und lediglich für mich präoperativ bei den Patienten/-innen den Hepatitis/HIV-Status gecheckt und mit der Anästhesie geklärt, dass keine Narkosegase verwendet werden.
Meine Oberärzte waren immer sehr liebevoll besorgt, ob es mir tatsächlich gut gehe und ich auch wirklich die OP machen könne, haben mir jedoch immer die Entscheidung überlassen.