Interview zum Welt-Frauentag mit Frau Prof. Bergita Ganse

Prof. Bergita Ganse

Bergita Ganse studierte nach dem Abitur im Detmolder Christian Dietrich Grabbe Gymnasium im Jahr 2001 Humanmedizin in Halle und Lübeck. Sie schloss ihr Studium 2007 in Lübeck ab, wo siein der Orthopädiepromovierte. Ihre medizinische Laufbahn führte sie über die Weltraummedizin in der Charité zur Orthopädie und Unfallchirurgie in Köln, zum Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und 2014 zurück in die Unfallchirurgie, und zwar jetzt an der RWTH in Aachen. Dort habilitierte sie in experimenteller Unfallchirurgie. Ihr besonderes Steckenpferd ist die Forschung über Auswirkungen der Schwerelosigkeit auf das muskuloskelettale System des raumfahrenden Homo sapiens. Nach einem 2-jährigen Forschungsaufenthalt in Manchester hat sie am 1.3. die W3-Professur für Innovative Implantatentwicklung an der Universität des Saarlandes angetreten.

Sie ist Fachärztin für Physiologie und für Orthopädie / Unfallchirurgie mit den Zusatzbezeichnungen Sportmedizin und Notfallmedizin.

Sie ist eine von uns!

Gabriele Sbrisny: Liebe Bergita, deine Karriere hat je einige Kurven vorzuweisen. Zuallererst hast du in der Weltraummedizin gearbeitet, dann wieder Orthopädie und Unfallchirurgie und wieder zurück zu den Astronauten, bevor du dann doch in der Orthopädie und Unfallchirurgie geblieben bist. Wie kam es dazu?

Bergita Ganse: Ich fand beides extrem reizvoll und habe in der Weltraummedizin muskuloskelettale Forschung gemacht in Kooperation mit der Unfallchirurgie. Die Veränderungen der Knochen, Muskeln und Bandscheiben in Schwerelosigkeit treten genauso bei immobilen Patienten und nach Frakturen auf. An der Raumfahrt reizt mich vor allem die internationale und häufig sehr unkonventionelle Zusammenarbeit in einem interdisziplinären Technik-Kontext. Auch bin ich während meiner Zeit beim DLR sehr viel Notarzt gefahren und habe mich da so richtig ausgetobt, z.B. auf dem Nürburgring und als Stadionärztin beim 1. FC Köln, sowie als Zentrifugenärztin an der Humanzentrifuge. Das war eine super Zeit!

Gabriele Sbrisny: Was hat dich an der Chirurgie oder am Chirurginnendasein am meisten fasziniert?

Bergita Ganse: Da kann ich nicht eine einzige Sache benennen. Ich mag die Kombination aus Handwerk, Teamwork, strukturiertem Vorgehen, wissenschaftlichem Handeln, Pragmatismus, Menschen direkt zu helfen und Probleme effizient zu lösen. Die Anekdoten und tollen Begegnungen und Geschichten spielen auch eine große Rolle.Was hat dich an der Chirurgie oder am Chirurginnendasein am meisten fasziniert?

Gabriele Sbrisny: Was bedeutet dir die Lehre, du hast ja schon lange eine eigene Vorlesung in Aachen gehabt?

Bergita Ganse: Lehre und der Alltag mit Studierenden machen mir Spaß und ich freue mich immer wieder, wenn ich ihnen die Welt erklären und sie begeistern kann. Auch mag ich es, sie im Laufe ihres Studiums zu verfolgen und zu sehen was aus ihnen wird.

Gabriele Sbrisny: Hast du in Aachen auch in einer Position ähnlich einer Funktionsoberärztin gearbeitet oder in einer anderen Leitungsfunktion?

Bergita Ganse: In Aachen hatte ich eigene Doktoranden und meine eigene Vorlesung, aber keine Leitungsfunktion.

Gabriele Sbrisny: In welchen Berufsfeldern konntest du Führungserfahrung sammeln?

Bergita Ganse: Vor allem als Head Medical Doctor beim DLR in Köln, aber auch als Notärztin und durch die Betreuung von DoktorandInnen.

Gabriele Sbrisny: Direkt von der Fachärztin nach kurzem Forschungsaufenthalt in England zu Professur, wird dir da nicht schwindelig?

Bergita Ganse: Ich bin schon seit 2014 Fachärztin und war gerade zwei Jahre in England, bin 39 Jahre alt. An den neuen Titel und das eigene Sekretariat muss ich mich erstmal gewöhnen. Aber ich kenne ProfessorInnen aus anderen Fachbereichen, die noch wesentlich jünger und mit viel weniger Berufs- und Forschungserfahrung berufen wurden. Wir Mediziner sind da im Vergleich eher spät dran. Ich empfinde es als riesengroße Ehre, jetzt diese Chance erhalten zu haben und freue mich auf das was kommt!

Gabriele Sbrisny: Wie war deine erste Woche?

Bergita Ganse: Extrem spannend! Ich habe sehr viele neue Menschen kennengelernt und begonnen die Abteilung zu organisieren. Es gibt fantastische Bedingungen, Themen und Kollaborationen. Von dem erfahrenen Chef der Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Prof. Tim Pohlemann, bekomme ich viel Unterstützung.

Gabriele Sbrisny: Was möchtest du unseren Mitgliedern, die ja zum Teil ihre Karrieren noch planen, in menschlicher und fachlicher Hinsicht raten?

Bergita Ganse: Durststrecken durchstehen, international forschen, auch mal mutig wechseln, netzwerken und da arbeiten, wo man gefördert wird.

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